Risum Skole wurde 1946 gegründet. Sie war eine der Heimatschulen, die als Resultat der dänisch-friesischen Zusammenarbeit nach dem 2. Weltkrieg in Nordfriesland entstand (andere waren in Niebüll und in Stedesand). Dieses sollte das spätere Schulleben prägen. Nach dem Willen der Gründer sollte sie drei grundlegende Ziele haben.

Die sprachlich-kulturellen Werte der Heimat sollten den Eltern und Kindern aufgezeigt und vermittelt werden. Das Fenster gen Norden, nach Dänemark, sollte wieder geöffnet werden, wobei in erster Linie Kinder und Erwachsene die dänische Sprache lernen sollten. Und ´last but not least´ sollte sie auch eine Schule für die Kinder sein.

Die friesische Sprache und Kultur sind immer – an der Seite des Dänischen – die tragenden Elemente seit nunmehr 50 Jahren gewesen. Der Sprachunterricht hat in den unterschiedlichsten Formen stattgefunden. In den ersten 10 „wilden“ Jahren wurde unterrichtet wie die Gegebenheiten es erforderten. Man hatte den Vorteil, daß alle Kinder friesisch verstehen und fast alle es sprechen konnten.

1956 wurde Marie Tångeberg Schulleiterin. Sie setzte den Friesischunterricht in feste Rahmen und benutzte die Sprache im größtmöglichen Umfang in allen Unterrichtssituationen. Damit nicht genug, fünf Jahre später gründete sie die erste friesische Muttersprachenschule, die vergleichbar war mit Institutionen gleicher Art anderer ethnisch-kultureller Minderheiten in Europa. Sie wurde sowohl vom dän. Schulverein als auch vom Kultusministerium stillschweigend geduldet.

In den ersten Schuljahren gebrauchte sie ausschließlich friesisch als Unterrichtssprache und ließ dann dänisch und deutsch als Fach in der 3. und 4. Klasse hinzukommen. Dieses Experiment beendete sie Anfang der 70er Jahre. Zwei hauptsächliche Gründe gab es dafür. Immer weniger Kinder sprachen von Haus aus friesisch – eine Tendenz, die sich erst heute zu ändern scheint – und die Anforderungen der weiterführenden Schulen bezüglich der Dänischkenntnisse verlangten mehr Dänischunterricht in der Grundschule. Zu diesem Zeitpunkt gab es keinen dän. Kindergarten in Risum.

 

 

 

 

 

 

Marie Tångeberg

Ein dritter Grund war sicherlich auch, daß Marie mit ihrem Versuch schlichtweg ihrer Zeit voraus war und weder von dänischer noch von deutscher Seite richtiges Verständnis dafür fand. Auch von den Friesen bekam sie nicht die notwendige Unterstützung. Sie waren immer noch wild im Grenzkampf verwickelt. Dies trug wohl auch dazu bei, den mutigen und gewagten Vorstoß zu Gunsten einer kleinen Sprache zu stoppen.Es wurde aber immer noch Friesisch für einige Stunden in der Woche neben den sprachlichen Hauptfächern Dänisch und Deutsch unterrichtet und die Sprache stand gleichberechtigt neben den beiden anderen im Schulalltag. 1977 tauchte das Fach Friesisch zum ersten Mal im Stundenverteilungsplan auf. Auf Elternwunsch wurde es 1985 als obligatorisches Unterrichtsfach an Risum Skole eingeführt. Es wird heute zwei Stunden wöchentlich von der 3.Klasse bis zur 9.Klasse unterrichtet.

Die heutige Situation ist eine Wiederspiegelung und ein Produkt unserer langen und wechselhaften Vergangenheit, die trotzdem durch eine einzige Kontinuität geprägt ist. Die oben genannten grundlegenden Ziele haben im weitesten Umfang immer noch ihre Gültigkeit bei der Vermittlung von Haltung und Wissen gegenüber Kindern und Erwachsenen. Es waren und sind die Methode und Arbeitsform, die sich ändern und sich den verändernden Verhältnissen und verändernden Sprach- und Kulturmustern in unserem näheren und weiteren Umfeld anpassen mußten.

Genau wie an anderen Schulen beginnen unsere Schüler schon im Kindergarten dänisch zu lernen. In der Schule setzt sich dann der Unterricht auf deutsch und dänisch fort. Jedoch im Gegensatz zu anderen dänischen Schulen hören unsere Schüler bereits von der 1.Klasse an die friesische Sprache wie sie als Medium innerhalb und außerhalb des Unterrichts benutzt wird. So werden z.B. Mitteilungen bei der Morgenversammlung sowohl in dänisch als auch in friesisch gegeben. In den Pausen und bei anderen Gelegenheiten geht die Kommunikation auf gleiche Weise vor sich. Der Gebrauch der Sprache ist weitestgehend personengebunden, indem die friesisch sprechenden Lehrer sich so weit wie möglich an das Friesische halten, die anderen an das Dänische. Deutsch ist selbstverständlich auf praktische und vernünftige Art ein Teil, wie an allen anderen Schulen auch.

In der 3.Klasse beginnt der obligatorische Friesischunterricht mit zwei Stunden pro Woche. Hier lernen die Kinder den erlernten Wortschatz zu verstehen und teilweise in Gesprächsituationen anzuwenden.

Der Umstand, daß ein Teil unserer Schüler immer noch zu Hause friesisch spricht, daß über die Hälfte der Schüler der Sprache in der Familie begegnet und daß alle Friesisch als lebende Sprache in der näheren Umgebung erleben können, ist selbstverständlich von großem Nutzen für den Unterricht. Risum-Lindholm ist auf dem nordfriesischen Festland immer noch eine sprachliche Hochburg für unsere alte Heimatsprache.

Von der 5. Klasse ab werden die Stunden überwiegend für projektorientierten Unterricht genutzt. Die Schüler erstellen friesische Spiele, Comics, Geschichten, Theaterstücke und ähnliches. In diesem Zusammenhang spielt das jährliche Weihnachtsfest der Schule eine zentrale Rolle. Hier treten „die Großen“ (5. – 9. Klasse) mit einem teilweise selbstgeschriebenen friesischen Theaterstück auf. Die Theaterstücke dauern ca. 45-60 Minuten und werden nicht nur in der Schule, sondern auch mehrere Male außerhalb der Schule gezeigt. Manchmal wird auch in den Orientierungfächern auf friesisch unterrichtet, das hängt jedoch vom jeweiligen Thema ab.

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